Miteinander für die Seele sorgen

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ (Römer 12, 12)

Im Bathildisheim kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen: Alte und Junge, mit und ohne Beeinträchtigung, Klientinnen und Klienten, Angehörige und Freunde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie leben, arbeiten und lernen hier und bringen ihre Fragen, Ängste und Hoffnungen mit.

Seelsorge bedeutet für uns: miteinander für die Seele zu sorgen. Miteinander, das meint Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, das meint Mitarbeitende auf allen Ebenen, Beschäftigte, Schüler und Schülerinnen, Auszubildende.

Seelsorge schafft Raum und Zeit, damit man sich etwas von der Seele reden oder einfach die Seele baumeln lassen kann.

Seelsorge begleitet die unterschiedlichen Menschen spirituell in ihrem Alltag und an den Grenzen des Lebens. Sie öffnet den Blick für die Fülle der Möglichkeiten, die Gott schenkt und die immer über das Vorhandene hinausweisen.

Seelsorge geschieht in Gottesdiensten und Andachten, in Gesprächen, im Konfirmandenunterricht, in der Sterbebegleitung, bei Beerdigungen, in der Fort- und Weiterbildung und oft genug auch im Alltag.

Eine Geschichte zum Lesen, Nachdenken, Weitererzählen....

Esel sind tolle Tiere – und durchaus gute Gefährten für Menschen

Zappen Sie gerne durchs Fernsehprogramm? Als ich dieser, meiner „Leidenschaft“ kürzlich mal wieder nachging, blieb ich bei einer Dokumentation hängen: „Wandern in Südfrankreich“. In wunderschönen Bildern wurde von einer Wanderung im Cevennen-Gebirge berichtet. Männer und Frauen waren unterwegs auf steinigen Pfaden und in traumhafter Natur. Die Verpflegung und vor allem das Trinkwasser für die Wandertruppe trug ein Esel.

Dieser Esel, so erfuhr ich in der Dokumentation, war allerdings alles andere als ein „dummer Esel“ (wie wir ja sonst so gerne Esel betiteln). Im Gegenteil. Er war vorsichtig und klug. Der Besitzer des Esels schärfte der Wandergruppe ein: sie sollten den Esel auf keinen Fall nötigen, wenn er einmal stehen bliebe Denn wenn er nicht weiterginge, dann hätte das mit Sicherheit seinen Grund. Oft sähe er eine Gefahr, die wir Menschen nicht bemerkten: z.B. eine Schlange im Gebüsch. Ja, im Gegensatz zu Pferden, die bei Gefahr wegrennen, bleiben Esel stehen. Das wusste ich schon. Sie sind dann auch nicht störrisch, sondern haben eben ihren eigenen Kopf und ordnen sich nicht so einfach unter. Warum sollten sie auch?! Esel sind tolle Tiere, dachte ich beim Schauen dieser Dokumentation. Durchaus gute Gefährten für Menschen – und das nicht nur, weil sie unser Gepäck tragen.

Das ist sogar biblisch verbrieft. In einer „Top-Ten“-Geschichte aus dem Alten Testament spielt eine Eselin eine lebensrettende Rolle: „Bileam und seine Eselin“.* Die Geschichte spielt zu einer Zeit, als das Volk Israel gerade sesshaft wurde. Es eroberte sich eine Heimat – allerdings durch Eroberung und Besetzung schon bewohnter, besiedelter Gebiete. Deren Völker waren von dem Eindringen der „Fremden“ alles andere als begeistert. Einer ihrer Könige, Balak, hatte nun eine Idee: er heuerte den bekannten Propheten Bileam an, einen „Seher“. Von Bileam sagte man: „Wen er segnete, auf dem ruhte der Segen. Und wen er verfluchte, der war verflucht.“ So sollte Bileam das Volk Israel verfluchen und dadurch schwächen. Im Gegenzug versprach Balak dem Bileam eine großzügige Belohnung. Bereitwillig machte sich Bileam auf den Weg zu seiner Aufgabe, begleitet von seiner Eselin. Die trug ihn treu auf ihrem Rücken. Doch plötzlich, mitten auf dem Weg, blieb die Eselin stehen. Sie weigerte sich absolut, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Wenn Bileam sie zu schieben versuchte, dann wich sie einfach mehrmals seitlich aus. Bileam ärgerte sich schließlich so sehr über die Sturheit seiner Eselin, dass er anfing, auf sie einzuschlagen. Nicht nur einmal, sondern gleich dreimal.

Da aber richtete die Eselin das Wort an Bileam – es heißt, Gott ermöglichte ihr das Sprechen mit menschlichen Worten: „Was habe ich dir getan, dass du mich schon zum dritten Mal schlägst? Bin ich nicht dein Esel, auf dem du seit eh und je bis heute geritten bist? Habe ich mich jemals gegen dich gewendet?“ Bileam musste erkennen, dass er einen bösen Fehler begangen und seine menschliche Macht der Eselin gegenüber missbraucht hatte. Denn auf einmal wurden auch ihm die Augen geöffnet und er erkannte, was seine Eselin schon längst und viel früher gesehen hatte: da stand ein mächtiger, gefährlicher Engel Gottes mit einem flammenden Schwert mitten auf dem Weg und versperrte diesen. Es hätte keinen Weg an dem Engel vorbei gegeben, weder rechts noch links. Und auch der Engel richtet sein Wort an Bileam: „Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Ich bin dir in den Weg getreten, weil der Weg, den du gehst, böse ist. Du hast kein Recht, Israel zu verfluchen. Der Esel hat mich gesehen und ist dir zugute ausgewichen. Wäre er nicht ausgewichen, hätte ich euch beide getötet.“ Da erkannte Bileam, dass er sich sowohl gegenüber seiner Eselin, als auch gegenüber Gott falsch verhalten hatte. Nun konnte er seinen Weg weiterziehen – jetzt auch tatsächlich auf Israel zu. Aber nicht, um das Volk Israel zu verfluchen, sondern um es zu segnen.

Als Kind habe ich diese Geschichte geliebt. Genauso wie ich die Serien „Lassie“ oder „Flipper“ im Fernsehen geliebt habe. Warum? Weil sowohl Bileam als auch andere Tierfilme von einer tiefen persönlichen Seelenverbindung von Mensch und Tier erzählen. Tiere können gute Freunde des Menschen sein. Ohne ihre Hilfe wären wir Menschen nicht das, was wir heute sind. Sie waren vor uns auf der Erde, haben unsere Lasten geschleppt, die Felder gepflügt, Herden bewacht, in Bergwerken geschuftet, ihr Fell und Fleisch hergegeben. Sie trösten große und kleine Menschenseelen. Und was Blindenhunde oder andere Therapie-Tiere bewirken, ist von unschätzbarem Wert für die Betroffenen.

In der Bileamsgeschichte wird aber noch etwas anderes deutlich: die Eselin kann nicht nur sprechen, sondern steht auch in einer Gottesbeziehung. Sie sieht den Engel Gottes, wo Bileam blind ist für Gottes Wirklichkeit. Sie verfügt über eine außergewöhnliche Wahrnehmung, wo der Prophet Bileam nur seinen Weg vor Augen hat.

Tiere als Boten Gottes und Helfer der Menschen: Bileams Eselin ist da kein Einzelfall. Es gibt immer wieder berührende Lebensrettungsgeschichten durch Tiere. Ihr Instinkt erspürt Katastrophen, bevor sie überhaupt in unser Blickfeld treten. Sie bellen Hilfe herbei, sie warnen miauend oder warnen störrisch und eindrücklich vor falschen Schritten. Am Ende der Geschichte bekennt Bileam, dass er „gesündigt“ hat. Was dabei sein Fehler war? Meist wird gesagt, dass er eben Gottes Ruf nicht gehört habe. Er habe sich einfach zum Handlanger Balaks gegen das Volk Israel machen lassen. Aber ist es nicht vielmehr, dass er seiner Eselin, die ihm immer treu gedient hatte, Schmerzen zugefügt hatte? Diese Schmerzen sind es doch, die die Eselin schließlich aufschreien ließen und Bileam dann die Augen öffneten. Tierquälerei als Sünde.

Das mag ungewöhnlich klingen. Aber dürfen wir Tiere behandeln, als wären sie ein Stück Holz, eine Sache? Fühlen sie nicht Schmerz wie wir? In vielen Bereichen nutzen wir Tiere aus. Dabei hat das Christentum eigentlich einen ausgeprägten Sinn für das Leiden aller Kreatur entwickelt und das Kreuz zu seinem Symbol gemach: der Einsatz für Schwächere und für die, die keine Stimme haben. So, wie die Tiere von Anbeginn an als Teil von Gottes Schöpfung und als Gegenüber von uns Menschen gesehen werden. Lebewesen, die ihr ganz eigenes Lebensrecht besitzen.

Die Frage der Eselin aus der Bileamsgeschichte muss daher auch heute immer wieder in unser Ohr dringen: „Mensch, was habe ich dir getan, dass du mir das antust?“ Und vielleicht öffnet uns das dann eine ganz neue Sicht auf die Tiere als unser Gegenüber.

Maren Jahnke

* Wer die Geschichte gerne nachlesen möchte: Sie steht im 4. Buch Mose in den Kapiteln 22-24.

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