Kunst lässt Einschränkungen zu Fähigkeiten werden

| Autor: Heike Saure| Bathildisheim

Kunstprojekt signatur 22 hinterlässt Fingerabdruck im Rauch-Museum

BAD AROLSEN. Was wohl Christian Daniel Rauch zu den acht Skulpturen gesagt hätte, die im Rahmen des Kunstprojektes signatur 22 bis zum 7. Juni ihren Finderabdruck im Rauch-Museum hinterlassen? Zwischen Luise von Preußen und all den Werken des deutschen Klassizismus stechen die Skulpturen aus Draht und Pappmaschee heraus und doch wieder nicht. Eingebettet in die Kunst des frühen 19. Jahrhunderts, scheint die zeitgenössische, inklusive Kunst ihren Platz gefunden zu haben. Zumindest vorerst. Denn zur Documenta Zeit in Kassel werden die Skulpturen im PIKSL Labor in Kassel ausgestellt. Anschließend sind die Initiatoren des Kunstprojektes auf der Suche nach Kunstinteressierten, die gegen eine Spende eine Skulptur erwerben.

Mit der Vernissage im Christian-Daniel-Rauch-Museum geht das Kunstprojekt signatur 22, das von den beiden Künstlern Thomas Henke und Christian Heilig initiiert wurde, in die dritte und zugleich letzte und öffentliche Phase. „Wir wussten schnell, dass wir hier richtig sind“, erinnert sich Thomas Henke an den ersten Projekttag mit Klient:innen des Bathildisheims und Schülerinnen der Christian-Rauch-Schule. Denn er wollte die Freude am freien Gestalten mit den Projektteilnehmer:innen teilen. Sein Eindruck, dass sich in einem künstlerischen Prozess eine Einschränkung in eine besondere Fähigkeit verwandeln kann, sieht er im Kunstprojekt signatur 22 mehr als bestätigt.

Aus dieser Freude heraus sind Kunstwerke entstanden, die ihren Fingerabdruck, ihre Signatur nicht nur im Museum, sondern gleichzeitig auch an acht Orten im Stadtbild hinterlassen werden, die zur Begegnung, zum Nachdenken und zur Diskussion anregen sollen. „Ich hoffe, dass die Skulpturen den ein oder anderen Störimpuls geben, dass sie zum Nachdenken anregen“, so Bathildisheim-Vorstand Dr. Christian Geyer, dem es besonders wichtig war, dass mit diesen Skulpturen in Bad Arolsen sichtbar gemacht wird, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, Kunst zu erleben und Kunst zu schaffen.

Fasziniert war auch der Schulleiter der Christian-Rauch-Schule Markus Wagener. „Es ging vom ersten Moment an auf Augenhöhe los, nicht wohlwollend von oben herab“, zeigte er sich beeindruckt vom Miteinander zwischen Klient:innen des Bathildisheim, die aus Ton die Vorlage für die großformatigen Skulpturen aus Draht und Pappmaschee gegeben haben, und den Schülerinnen des Bad Arolser Gymnasiums.

„Toll, dass hier etwas von uns ausgestellt wird, wenn man bedenkt, wer hier sonst so steht“, zeigt sich Schülerin Lilith Israel beeindruckt. „Ich find es schon interessant, hier zu sein, unsere Skulpturen fallen zwischen den anderen Exponaten gar nicht auf“, ist der Eindruck von Janine Giessing und Kunstgeschichte-Studentin Sophia Zekl findet die Mischung einfach nur spannend.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Juni im Christian-Daniel-Rauch-Museum zu sehen. Geöffnet ist das Museum mittwochs bis samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt drei Euro. 

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