Menschen mit Behinderungen als Vorbild

| Autor: Juliane Diener

Ein Plädoyer für gelebte Inklusion – Wie wertvoll Zuhören und Austausch sein kann

Seit März beschäftigen wir uns alle mit dem Thema Verzicht und Einschränkungen. Auch wenn es mittlerweile Lockerungen gibt und die sommerliche Atmosphäre den Anschein von Normalität bei einigen zu erwecken scheint, werden uns beschränkende Maßnahmen wohl noch länger begleiten. Oder wiederkommen. Zeitlich und örtlich werden sie variieren. Das heißt, wir müssen flexibel sein, immer wieder mit unvorhergesehenen Veränderungen rechnen. Daher ist es jetzt sinnvoll mal Bilanz zu ziehen, wie wir mit den Einschränkungen bisher umgegangen sind – persönlich und als Gesellschaft. Und vor allem, was zusätzliche Strategien und Gedanken sein könnten, die uns durch den Winter, bis ins nächste Jahr tragen können.

Viele haben die Entschleunigung in den letzten Monaten genossen und neue Dinge entdeckt. Dennoch - Sicher hat jeder auch mal Momente in denen die negativen Gedanken überwiegen. Was alles nicht mehr geht. Ungewissheit, Unplanbarkeit, Frustration.

Und was können wir tun in solch einem Moment?  Wir hoffen auf das Beste und beten für einen guten Weg durch die Krise. Aber was noch? Wie können wir die Situation annehmen, wie sie ist? Und so durch unsere innere Ruhe die Momente ins Positive kehren?

Da sind wir beim Thema sozialer Austausch und Begegnung. Als eine Möglichkeit, um uns durch die Krise zu bringen. Denn diese sind zutiefst menschliche Bedürfnisse (wie uns gerade in der Zeit des Lock-Downs bewusst wurde) und trotz physischer Distanz möglich. Fragen und sprechen wir also mit den Experten und Expertinnen in unserer Gesellschaft: Menschen, die generell - und schon vor der Krise - mit Einschränkungen leben. Egal, ob das Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder sonstigen Einschränkungen sind: Die Erfahrungen dieser Menschen können jetzt ein wahrer Schatz sein. Viele dieser Menschen haben durch ihre Lebenssituation viele Strategien für Krisensituationen entwickelt, die uns nun allen zugutekommen können. Wie sie sich immer wieder auf veränderte Situationen einstellen. Wie sie gelernt haben mit Frust umzugehen. Wie sie sich auf die positiven Momente konzentrieren.

Viele unserer Kolleginnen und Kollegen bekommen diese Einblicke oft von unseren Klienten und Klientinnen: Wie Menschen trotz zunächst aussichtsloser Lage nie aufgegeben, Neues entdeckt, zu sich selbst gefunden haben. Individuell ist der Weg sehr unterschiedlich, manchmal steinig, aber vor allem auch voller glücklicher Momente.

Daher im Sinne der Inklusion, suchen wir doch gerade jetzt den Austausch (ob digital oder auf physische Distanz): Erzählen wir uns gegenseitig von den Erfahrungen und überlegen gemeinsam. Hören wir verstärkt Menschen zu, die Ideen dazu haben. Lesen wir Bücher und schauen Beiträge von Menschen mit Einschränkungen. So kann die Krise einen weiteren sinnvollen Effekt haben. Denn am Ende ist das Leben (auch jetzt) kein Sammelsurium an Einschränkungen, sondern ein Geschenk.

Weitere Artikel
Menschen_Vorbild_Blog.jpg