Leichte Sprache – Bedeutung, Sinn und Nutzen

| Autor: Andrea Kanngieser

Und über unser Büro für Leichte Sprache

Der Begriff „Leichte Sprache wird immer bekannter. Vielen Menschen ist er, allerdings eben nur das, was er nicht sein will, ein Begriff.
Denn das Wesentliche ist das, was dahintersteckt, die andere Sprache, die Leichte Sprache. Was ist also Leichte Sprache, wie definiert sie sich und warum ist sie so wichtig?
Die Leichte Sprache ist eine Sprachform (einen Varietät des Deutschen, wie es offiziell heißt), die sich durch einfache Satzstruktur und einen speziell auf den Adressaten zugeschnittenen Wortschatz auszeichnet. Grundgedanke ist dieser: Texte sollen für Menschen mit einer eingeschränkten Lesefähigkeit, verständlich und lesbar gemacht werden.
Die Leichte Sprache bietet für eine große und heterogene Gruppe von Menschen ein zusätzliches Angebot. Texte in Leichter Sprache finden sich heute schon in vielen Lebensbereichen (Banken, Schulen, Behörden, …).

Adressaten Leichter Sprache Texte sind nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten, kognitiver Behinderung oder Sinnesbehinderung. Auch Menschen mit Aphasie (erworbenen Sprachstörungen), Autismus, funktionale Analphabeten (können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, jedoch keinen längeren zusammenhängenden Text lesen und verstehen), Demenzkranke und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen profitieren vom Angebot der Leichten Sprache.
Es gibt mittlerweile nicht nur reine Informationstexte, sondern auch literarische Texte, Kochbücher, Web-Seiten, Nachrichten und vieles mehr in Leichter Sprache. Bei der Aufgabe Texte in eine leicht verständliche Sprache zu „übersetzen“ oder in dieser zu erstellen, spielen auch subjektive Faktoren eine große Rolle. Die Einordnung von Textart und Textqualität leistet ein Übersetzer vor dem eigenen Hintergrund. Bedeutung, Interpretation und -entscheidend bei der Übersetzung in Leichte Sprache- das Erkennen der wichtigen Informationen für die jeweiligen Adressaten, basieren auf den Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen des Übersetzers. Das bedeutet unter Umständen auch eine -zunächst vorgelagerte- Recherche zum eigenen Verständnis des Inhaltes.

Die Leichte Sprache hat bestimmte feste Regeln. Hier nur einige...

  • Ein Satz ist kurz und hat eine einfache Satzstruktur, keine Nebensätze.
  • Pro Satz gibt es nur eine Information. Die handelnden Personen werden genau benannt. Konjunktiv und Genitiv werden nicht verwendet; stattdessen aktive, handlungsorientierte Verben. Fremdwörter werden erklärt (das erhöht das Textvolumen unter Umständen gewaltig). Negationen sind besonders knifflig, aber wichtig und notwendig.
  • Auch die Textgestaltung unterscheidet sich von Standard-Texten. Verwendet werden eine vergrößerte Schrift, bestimmte Schriftarten und ein vergrößerter Zeilenabstand. Nur einen Satz pro Zeile und häufig werden Bilder zur Unterstützung des Textverständnisses eingesetzt.
  • Schwierig ist der geschlechtergerechte Sprachgebrauch. In der Leichten Sprache wird immer das generische Maskulinum verwendet. Es gibt noch keine Alternative, mit der sich Texte in Leichter Sprache einfach-lesbar und geschlechtergerecht darstellen lassen.

All das trägt dazu bei, dass sich viele Leichte Sprache Texte oft eher wie eine Aufzählung lesen. Die eigene Ästhetik des Ursprungtextes, lässt sich in der Übersetzung nur schwer herstellen. Sprachwitz, Wortspiele, Ironie, und Metaphern lassen sich mit der Leichten Sprache nicht wiedergeben.
Die Leichte Sprache muss klar und eindeutig sein, aber von großer Nähe zum jeweiligen Adressaten.

Auch im Bathildisheim beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema und haben ein Büro für Leichte Sprache. Unsere Grundgedanken von Teilhabe und Inklusion sind nur mit barrierefreiem Zugang zu Informationen möglich. Dabei haben wir uns intensiv mit der aktuellen Forschung auseinandergesetzt und orientieren uns bei der Übersetzung an den Regeln der Uni Hildesheim, die einen eigenen Lehrstuhl für barrierefreie Kommunikation eingerichtet hat.
In Zukunft werden wir auch in diesem Blog immer mal wieder über Leichte Sprache und in Leichter Sprache berichten.

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