Kollegiale Führung - Wie fühlen sich neue Strukturen nach über 20 Jahren im Unternehmen an?

| Autor: Astrid Henkelmann, Erzieherin im Tagwerk in Volkmarsen

NewWork: Kollegiale Führung – Was ist das? Wie wird es bei uns gelebt? Wie läuft die Pilotphase? Wie funktioniert es in der sozialen Arbeit?

Eindrücke aus einer der Pilotgruppen

Anfangs dachte ich tatsächlich, dass Kollegiale Führung ganz viel Zeit kosten würde. Und dass mir vor allem Zeit mit den Klienten fehlen würde. Aber jetzt, wo wir auf dem Weg sind, habe ich durch das Kennenlernen verschiedener Methoden gemerkt, dass wenn diese dann in der Verwendung nicht extra Zeit kosten, sondern im Gegenteil: Durch die Arbeit mit dem Teamboard sparen wir Zeit für Abstimmung. Und trotzdem ist jeder informiert, auch, wenn mal wer gefehlt hat. Es gehen weniger inhaltliche Dinge zwischen uns Kollegen unter. Die Kommunikation hat sich geändert, die Qualität ist auf jeden Fall größer geworden. Die Erfahrung mit einem roten Faden zu arbeiten, ist gerade für mich als Teilzeitkraft der größte Gewinn bisher der kollegialen Führung.

Die Methoden der Kollegialen Führung lassen mich auch die Achtsamkeit den Beschäftigten gegenüber reflektieren. Zusätzlich ist das Thema auch bei den Klienten angekommen. Bei Menschen, die schwerstmehrfachbehindert sind. Und den theoretischen Hintergrund nicht kennen. Ein Beispiel: „Veto-Abfrage“ ist als Begriff häufig zwischen uns Kollegen gefallen, und dann hat ein Beschäftigter gefragt was „Veto“ sei. Das habe ich mit einfachen Worten erklärt. Kurz danach gab es eine Entscheidung zu treffen bei der die Beschäftigten mit einbezogen waren. Da hieß es dann „Veto“! Wir leben also viele der Methoden schon tatsächlich.

Ich war schon immer schon neugierig in meinem Arbeitsleben. Jetzt, wo der längste Teil meiner Berufstätigkeit hinter mir liegt, ist meine Empfehlung an alle: Offen sein für Veränderungen. Ich bin dankbar, dass ich mich immer wieder neu finden konnte. Selbst nach 22 Jahren im gleichen Unternehmen empfinde ich es als Geschenk, mich auch jetzt nochmal zu verändern und meine Haltung zu reflektieren. Das respektvolle Gegenübertreten von Kollegen untereinander und gegenüber der Beschäftigten: Gerade in der Arbeit mit Menschen ist das doch so wichtig!

Weitere Artikel
KollegialeFührung_Henkelmann.jpg
Astrid Henkelmann ist Erzieherin im Tagwerk in Volkmarsen